Austeritätsprinzip
Es geschieht selten, dass mich ein Kommentar so ins Nachdenken bringt, dass mich die Antwort darauf zu einem eigenen Blogeintrag bringt.
Ausgang dafür war ein kleines Wort: A u s t e r i t ä t !
Ein Wort, das vielen von Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, zunächst - auch mir - harmlos erscheinen mag.
Die eine oder der andere, der kulinarischen Genüssen, nicht abgeneigt oder weil seine Sinne hier auf Twoday von den verschiedenen Kochtöpfen ganz vernebelt werden, mag tatsächlich an das "Meerestier" - die Auster - gedacht haben.
Indes das Wort hat damit nichts zu tun.
Auch nicht mit irgendeinem vielleicht nur in Österreich praktiziertem Wirtschaftsprinzip. Ein Verdacht, den man hegen könnte, wenn man jenen Kommentar zu Ende liest.
[vielleicht dachte gar einer an die kriegerische Schlacht von AUSTER[litz].
Die Lateiner unter ihnen, schmunzeln vermutlich schon ganze zwölf Zeilen lang, weil sie an "austeritas" das lateinische Wort für "Enthaltsamkeit" auch "Sparsamkeit" denken.
Und damit, liebe Leserin, lieber Leser, kommen wir der Sache langsam auf die Spur, dessen Köder mir der geschätzte Kommentator mit seinen Zeilen auswarf und mich damit wie einen Fisch an die Angel nahm.
Wenn Sie also mögen, werde ich etwas ausholen, um das dahinter darin Liegende [Prinzip] zu ergründen und in einem kleinen Sonntagseintrag zu beantworten:
Das Austeritätsprinzip
Es bezeichnet die strenge Haushaltspolitik mit dem Ziel der Nullverschuldung (d.h. ein ausgeglichener Staatshaushalt ohne Neuverschuldung). Eine Haushaltspolitik wie sie das Land Baden-Württemberg im Jahr 2007 bereits unter der letzten [schwarz-gelben] Regierung [unter dem Ministerpräsidenten Günther Oettinger] verabschiedete mit erstmaliger Wirkung für das Jahr 2011. Dem Beispiel folgte die Bundesregierung.
Das – so harmlos daherkommende Wort – Austeritäts-Prinzip wurde zur "Bekämpfung der Euro- und Staatenkrise“ [=Politikersprech daher die Anführungszeichen] mit der Erweiterung des ESM zur Bedingung für verschuldete Euro-Krisenstaaten, die unter den Staatenschirm schlupfen und Kredite haben wollen. Die Netto-Neuverschuldung soll nun auch zum Prinzip für den gesamten EU-Haushalt werden.
[M]Ein Wi[e]derworte
Wie immer, wenn fieberhaft nach Lösungen aus Krisen gesucht wird, verfallen die Verantwortlichen von einem Extrem ins andere. Der ganzheitliche Lösungsansatz wird selten gedacht.Mag sein, dies ist der Hektik tagespolitischer Brisanz geschuldet.
Dennoch... egal wie man es dreht und wendet oder sieht:
Strenge Ausgabenpolitik ist -meiner nicht maßgeblichen Ansicht nach- zu koppeln mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die auf der anderen Seite, unternehmerisches Handeln und wirtschaftliche Dienstleistungen und Handel wieder ankurbeln.
Dies setzt jedoch den Mut zur staatlichen Aufgabenkritik voraus, d.h. dass alle staatlichen Aufgaben, die Ausgaben produzieren, auf den Prüfstand gestellt werden und man sich überlegt, ist es notwendig, "x" oder "y" tatsächlich zu tun oder zu fördern.
Statt sich mutig einem solchen Prozess - auch unter Einbeziehung der Bürgermeinung zu stellen, wie er von einigen nordeuropäischen Staaten bei der Aufstellung eines sog. Bürgerhaushalts in ersten Ansätzen praktiziert wird.
Stattdessen wird bei uns [weil man eine solche Bürgerschaftliche Diskussion scheut?] lieber überall nach dem Gießkannenprinzip gekürzt, damit keiner dem anderen wehtut.
Anstatt wenigstens wie in einem Unternehmen zu überlegen, wo will man hin, wo will man in fünf Jahren, in zehn stehen. Statt klare Ziele zu definieren, die für zwei, drei Jahre verfolgt werden.
An denen weiter gearbeitet wird, auch wenn es zu einem politischen Regierungswechsel kommt!
Solche Ziele wären für mich, um des besseren Verständnisses wegen, einige stichwortartig zu benennen:
* Bildung, Bildung, Bildung – für alle [für Junge genauso wie für die Silverprofessionals, die demnächst bis 70 arbeiten].
* Armutsbekämpfung.
* Mehr soziale Gerechtigkeit.
All dies gepaart mit dem wirtschaftspolitischen Ziel und Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe“.
Friedrich List – e i n e Antwort auf das Austeritätsprinzip
Ein einheimischer Vertreter dieses eben genannten Prinzips der "Hilfe zur Selbsthilfe" ist der berühmte "Friedrich List“, der sich - zu seinen Lebzeiten (anni 1789-1845) - für den Binnenmarkt stark machte.
Übrigens ein Prinzip, das sich Europa vor über zehn Jahren zur Einführung seines einheitlichen europäischen Binnenmarktes aneignete.
List beschäftigte sich vor allem mit dem Problem der "nachholenden Entwicklung“. Er überlegte, wie sich eine Volkswirtschaft weiter entwickeln kann.
In Wikipedia ist das gut zusammengefasst:
„Sein Konzept zielte darauf ab, den Rückstand der [damals] deutschen Wirtschaftsentwicklung gegenüber [dem damals wirtschaftlich erfolgreicheren und industriell fortschrittlicheren] England aufzuholen. Durch Imitation, gezielte Förderung von Entwicklungsprojekten und angemessene Schutzmaßnahmen könne die Industrialisierung trotz des englischen Effizienzvorsprungs erreicht werden. Er forderte eine Mobilisierung der produktiven Kräfte durch Entfeudalisierung und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur (Eisenbahnen, Straßen und Kanäle). Flankierend sollten gezielte Erziehungszölle die Überlebenschance der jungen Industrien sichern, bis sich eine international wettbewerbsfähige Industrie gebildet hat.“
Interessant ist, dass Friedrich List bereits vor über 175 Jahren "Befürworter eines kontinentaleuropäischen Staatenverbandes“ war! Er verfolgte dabei ein offenes Europakonzept, für einen "Verband souveräner, selbständiger Staaten mit einem gemeinsamen Binnenmarkt und einer gemeinsamen Verfassung, die u.a. eine militärische Beistandskonvention beinhaltete.“
Joseph Schumpeter – eine w e i t e r e Antwort auf das Austeritätsprinzip
Da ich sehr viele österreichische Leser-innen - :-))) - habe, darf natürlich der große österreichische Nationalökonom hier nicht fehlen. Ein Nationalökonom, der neben dem vorher erwähnten Friedrich List in baden-württembergischen Unternehmerkreisen hohes Ansehen genießt. Zumindest bei jenen mir bekannten typischen Familienunternehmerinnen und Familienunternehmern, die sich auch für Wirtschaftspolitik interessieren und über den eigenen Tellerrand hinaus denken. Solchen, die im Sinne eines anderen, des früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel, denken: „Zuerst das Land, dann das eigene Unternehmen und schließlich erst sie selbst [kommend]“. Oder wie es mir ein heimischer Unternehmer vor über zwanzig Jahren einmal sagte: „Frau Teresa, bevor I oin ausstell`, ess I lieber jeden Tag fünf Rädle Worscht weniger ond schnall d`r Gürtl enger.“
Doch zurück zu Joseph Schumpeter (1888-1950), dessen Lehren sich intensiv mit der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Kapitalismus und Sozialismus sowie der Demokratie auseinander setzen.
Seine ihn bekannt machende Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung verfasste er übrigens in den Jahren 1909 bis 1911 als Professor an der Universität Czernowitz. Im Jahr 1918 gab er zudem eine interessante Studie heraus: Die Krise des Steuerstaates. Sie beschäftigt sich mit der Sanierung der Staatsfinanzen aufgrund der Kriegsschulden (des ersten Weltkrieges).
Ich möchte hier nicht in eine wirtschaftstheoretische Diskussion einsteigen, zumal seine ökonomischen Studien auch recht gut bei Wikipedia zusammengefasst nachgelesen werden können [für jene, die es tiefer interessiert]. Für mich ist Schumpeter tatsächlich ein herausragender Nationalökonom, da er den Wert von "Innovation“ und "Kreativität“ und die Entwicklung dieser "ökonomischen Wellenbewegungen“[auch Kondratjew-Zyklen genannt] erkannte.
Mir imponiert, dass er - wenn nicht der allererste, dann zumindest einer der ersten war – die den Wert von selbständiger Unternehmerschaft – heute sagen wir gerne Entrepreneurship - erkannte und dabei ein differenziertes Bild entwarf [und eben nicht alle Unternehmer in einen Topf wirft - wie es bei einer [heute modern gewordenen] Kapitalismus-Schelte gern betrieben wird.
Joseph Schumpeter wusste haargenau zu unterscheiden:
Zwischen den Unternehmern, die ihre Kraft und ihr Wirken, ihr Know-how schöpferisch und kreativ zum Wohle der Menschen [in ihrem Umfeld, an ihrem Ort, in ihrer Region] und der Gesellschaft einsetzen.
Und..
...jenen Unternehmern, die die Undurchsichtigkeit eines [oft auch neuen] Marktes und damit verbunden intransparente [weil eben junge, sich entwickelnde] Märkte und Marktnischen und die Unwissenheit derjenigen, die sich mit diesen [neuen] Märkten auseinandersetzen, ausnutzen. Diesen Unternehmertypus bezeichnete Schumpeter als "Arbitreur“ – zu deutsch: Spekulant!
Arbitreure also Spekulanten, die die Unwissenheit und die Naivität neuer Teilnehmer am Markt ausnutzen.
Wobei Teilnehmer an solchen Märkten – um das in die Gegenwart zu transformieren – nicht nur andere am selben Markt agieren[wollen]de Unternehmer, sondern eben auch politische Akteure [Staaten und Staatenverbünde wie die EU] und heute auch die Medien, darüber bericht[erstatt]enden Akteure sind.
Wieder möchte ich aus Wikipedia zitieren [weil es eben mit zwei Sätzen knackig auf den Punkt gebracht wird]:
„Unternehmer zeichnen sich seiner Meinung nach dadurch aus, dass sie ihre wirtschaftliche Position ständig durch Innovationen verbessern wollen. Demnach ist es der Unternehmergeist, welcher Innovationen erzeugt und damit Wirtschaftswachstum und sozialen Wandel vorantreibt.“
[M]Ein Fazit
Es wäre gut, die politisch Verantwortlichen, die für die Schaffung entsprechender politischer Rahmenbedingungen verantwortlich sind, würden sich mal wieder der eigenen nationalökonomischen Shootingstars erinnern. Sich dabei an deren positiven Grundideen orientieren [wie ich sie hier nur in einer Art Tour d` Horizon stacccato-artig skizzieren kann]. Dann wäre schon etwas gewonnen!
Wenn dann einmal einige – auch tagespolitisch agierende – Medien die Theorien und Inhalte solcher Nationalökonomen allgemeinverständlich für ihre Leserschaft formulierten und Forderungen an die hohe Politik ableiteten, dann bekämen einige andere, wie der mich zu diesem Eintrag inspirierende Kommentator, keinen Ausschlag ;-)
Oder...
...es käme mal wieder etwas Bewegung in die [derzeit sich] lieber sich selbst totschweigende öffentliche politische Diskussion, die sich aktuell durch Seximus-, Rassismus- und andere populärere Diskussionen gern ablenken lässt :-o
Veilleicht weil im Dschungelcamp der Medienmeinungen populär zu diskutieren leichter ist als sich mit nationalökonomischen Wirtschaftstheorien auseinanderzusetzen, diese dem Leser aufzudröseln, am besten mit Beispielen von Unternehmen und Selbstständigen der eigenen Region!
2762 mal gelesen
Ausgang dafür war ein kleines Wort: A u s t e r i t ä t !
Ein Wort, das vielen von Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, zunächst - auch mir - harmlos erscheinen mag.
Die eine oder der andere, der kulinarischen Genüssen, nicht abgeneigt oder weil seine Sinne hier auf Twoday von den verschiedenen Kochtöpfen ganz vernebelt werden, mag tatsächlich an das "Meerestier" - die Auster - gedacht haben.
Indes das Wort hat damit nichts zu tun.
Auch nicht mit irgendeinem vielleicht nur in Österreich praktiziertem Wirtschaftsprinzip. Ein Verdacht, den man hegen könnte, wenn man jenen Kommentar zu Ende liest.
[vielleicht dachte gar einer an die kriegerische Schlacht von AUSTER[litz].
Die Lateiner unter ihnen, schmunzeln vermutlich schon ganze zwölf Zeilen lang, weil sie an "austeritas" das lateinische Wort für "Enthaltsamkeit" auch "Sparsamkeit" denken.
Und damit, liebe Leserin, lieber Leser, kommen wir der Sache langsam auf die Spur, dessen Köder mir der geschätzte Kommentator mit seinen Zeilen auswarf und mich damit wie einen Fisch an die Angel nahm.
Wenn Sie also mögen, werde ich etwas ausholen, um das dahinter darin Liegende [Prinzip] zu ergründen und in einem kleinen Sonntagseintrag zu beantworten:
Das Austeritätsprinzip
Es bezeichnet die strenge Haushaltspolitik mit dem Ziel der Nullverschuldung (d.h. ein ausgeglichener Staatshaushalt ohne Neuverschuldung). Eine Haushaltspolitik wie sie das Land Baden-Württemberg im Jahr 2007 bereits unter der letzten [schwarz-gelben] Regierung [unter dem Ministerpräsidenten Günther Oettinger] verabschiedete mit erstmaliger Wirkung für das Jahr 2011. Dem Beispiel folgte die Bundesregierung.
Das – so harmlos daherkommende Wort – Austeritäts-Prinzip wurde zur "Bekämpfung der Euro- und Staatenkrise“ [=Politikersprech daher die Anführungszeichen] mit der Erweiterung des ESM zur Bedingung für verschuldete Euro-Krisenstaaten, die unter den Staatenschirm schlupfen und Kredite haben wollen. Die Netto-Neuverschuldung soll nun auch zum Prinzip für den gesamten EU-Haushalt werden.
[M]Ein Wi[e]derworte
Wie immer, wenn fieberhaft nach Lösungen aus Krisen gesucht wird, verfallen die Verantwortlichen von einem Extrem ins andere. Der ganzheitliche Lösungsansatz wird selten gedacht.Mag sein, dies ist der Hektik tagespolitischer Brisanz geschuldet.
Dennoch... egal wie man es dreht und wendet oder sieht:
Strenge Ausgabenpolitik ist -meiner nicht maßgeblichen Ansicht nach- zu koppeln mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die auf der anderen Seite, unternehmerisches Handeln und wirtschaftliche Dienstleistungen und Handel wieder ankurbeln.
Dies setzt jedoch den Mut zur staatlichen Aufgabenkritik voraus, d.h. dass alle staatlichen Aufgaben, die Ausgaben produzieren, auf den Prüfstand gestellt werden und man sich überlegt, ist es notwendig, "x" oder "y" tatsächlich zu tun oder zu fördern.
Statt sich mutig einem solchen Prozess - auch unter Einbeziehung der Bürgermeinung zu stellen, wie er von einigen nordeuropäischen Staaten bei der Aufstellung eines sog. Bürgerhaushalts in ersten Ansätzen praktiziert wird.
Stattdessen wird bei uns [weil man eine solche Bürgerschaftliche Diskussion scheut?] lieber überall nach dem Gießkannenprinzip gekürzt, damit keiner dem anderen wehtut.
Anstatt wenigstens wie in einem Unternehmen zu überlegen, wo will man hin, wo will man in fünf Jahren, in zehn stehen. Statt klare Ziele zu definieren, die für zwei, drei Jahre verfolgt werden.
An denen weiter gearbeitet wird, auch wenn es zu einem politischen Regierungswechsel kommt!
Solche Ziele wären für mich, um des besseren Verständnisses wegen, einige stichwortartig zu benennen:
* Bildung, Bildung, Bildung – für alle [für Junge genauso wie für die Silverprofessionals, die demnächst bis 70 arbeiten].
* Armutsbekämpfung.
* Mehr soziale Gerechtigkeit.
All dies gepaart mit dem wirtschaftspolitischen Ziel und Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe“.
Friedrich List – e i n e Antwort auf das Austeritätsprinzip
Ein einheimischer Vertreter dieses eben genannten Prinzips der "Hilfe zur Selbsthilfe" ist der berühmte "Friedrich List“, der sich - zu seinen Lebzeiten (anni 1789-1845) - für den Binnenmarkt stark machte.
Übrigens ein Prinzip, das sich Europa vor über zehn Jahren zur Einführung seines einheitlichen europäischen Binnenmarktes aneignete.
List beschäftigte sich vor allem mit dem Problem der "nachholenden Entwicklung“. Er überlegte, wie sich eine Volkswirtschaft weiter entwickeln kann.
In Wikipedia ist das gut zusammengefasst:
„Sein Konzept zielte darauf ab, den Rückstand der [damals] deutschen Wirtschaftsentwicklung gegenüber [dem damals wirtschaftlich erfolgreicheren und industriell fortschrittlicheren] England aufzuholen. Durch Imitation, gezielte Förderung von Entwicklungsprojekten und angemessene Schutzmaßnahmen könne die Industrialisierung trotz des englischen Effizienzvorsprungs erreicht werden. Er forderte eine Mobilisierung der produktiven Kräfte durch Entfeudalisierung und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur (Eisenbahnen, Straßen und Kanäle). Flankierend sollten gezielte Erziehungszölle die Überlebenschance der jungen Industrien sichern, bis sich eine international wettbewerbsfähige Industrie gebildet hat.“
Interessant ist, dass Friedrich List bereits vor über 175 Jahren "Befürworter eines kontinentaleuropäischen Staatenverbandes“ war! Er verfolgte dabei ein offenes Europakonzept, für einen "Verband souveräner, selbständiger Staaten mit einem gemeinsamen Binnenmarkt und einer gemeinsamen Verfassung, die u.a. eine militärische Beistandskonvention beinhaltete.“
Joseph Schumpeter – eine w e i t e r e Antwort auf das Austeritätsprinzip
Da ich sehr viele österreichische Leser-innen - :-))) - habe, darf natürlich der große österreichische Nationalökonom hier nicht fehlen. Ein Nationalökonom, der neben dem vorher erwähnten Friedrich List in baden-württembergischen Unternehmerkreisen hohes Ansehen genießt. Zumindest bei jenen mir bekannten typischen Familienunternehmerinnen und Familienunternehmern, die sich auch für Wirtschaftspolitik interessieren und über den eigenen Tellerrand hinaus denken. Solchen, die im Sinne eines anderen, des früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel, denken: „Zuerst das Land, dann das eigene Unternehmen und schließlich erst sie selbst [kommend]“. Oder wie es mir ein heimischer Unternehmer vor über zwanzig Jahren einmal sagte: „Frau Teresa, bevor I oin ausstell`, ess I lieber jeden Tag fünf Rädle Worscht weniger ond schnall d`r Gürtl enger.“
Doch zurück zu Joseph Schumpeter (1888-1950), dessen Lehren sich intensiv mit der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Kapitalismus und Sozialismus sowie der Demokratie auseinander setzen.
Seine ihn bekannt machende Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung verfasste er übrigens in den Jahren 1909 bis 1911 als Professor an der Universität Czernowitz. Im Jahr 1918 gab er zudem eine interessante Studie heraus: Die Krise des Steuerstaates. Sie beschäftigt sich mit der Sanierung der Staatsfinanzen aufgrund der Kriegsschulden (des ersten Weltkrieges).
Ich möchte hier nicht in eine wirtschaftstheoretische Diskussion einsteigen, zumal seine ökonomischen Studien auch recht gut bei Wikipedia zusammengefasst nachgelesen werden können [für jene, die es tiefer interessiert]. Für mich ist Schumpeter tatsächlich ein herausragender Nationalökonom, da er den Wert von "Innovation“ und "Kreativität“ und die Entwicklung dieser "ökonomischen Wellenbewegungen“[auch Kondratjew-Zyklen genannt] erkannte.
Mir imponiert, dass er - wenn nicht der allererste, dann zumindest einer der ersten war – die den Wert von selbständiger Unternehmerschaft – heute sagen wir gerne Entrepreneurship - erkannte und dabei ein differenziertes Bild entwarf [und eben nicht alle Unternehmer in einen Topf wirft - wie es bei einer [heute modern gewordenen] Kapitalismus-Schelte gern betrieben wird.
Joseph Schumpeter wusste haargenau zu unterscheiden:
Zwischen den Unternehmern, die ihre Kraft und ihr Wirken, ihr Know-how schöpferisch und kreativ zum Wohle der Menschen [in ihrem Umfeld, an ihrem Ort, in ihrer Region] und der Gesellschaft einsetzen.
Und..
...jenen Unternehmern, die die Undurchsichtigkeit eines [oft auch neuen] Marktes und damit verbunden intransparente [weil eben junge, sich entwickelnde] Märkte und Marktnischen und die Unwissenheit derjenigen, die sich mit diesen [neuen] Märkten auseinandersetzen, ausnutzen. Diesen Unternehmertypus bezeichnete Schumpeter als "Arbitreur“ – zu deutsch: Spekulant!
Arbitreure also Spekulanten, die die Unwissenheit und die Naivität neuer Teilnehmer am Markt ausnutzen.
Wobei Teilnehmer an solchen Märkten – um das in die Gegenwart zu transformieren – nicht nur andere am selben Markt agieren[wollen]de Unternehmer, sondern eben auch politische Akteure [Staaten und Staatenverbünde wie die EU] und heute auch die Medien, darüber bericht[erstatt]enden Akteure sind.
Wieder möchte ich aus Wikipedia zitieren [weil es eben mit zwei Sätzen knackig auf den Punkt gebracht wird]:
„Unternehmer zeichnen sich seiner Meinung nach dadurch aus, dass sie ihre wirtschaftliche Position ständig durch Innovationen verbessern wollen. Demnach ist es der Unternehmergeist, welcher Innovationen erzeugt und damit Wirtschaftswachstum und sozialen Wandel vorantreibt.“
[M]Ein Fazit
Es wäre gut, die politisch Verantwortlichen, die für die Schaffung entsprechender politischer Rahmenbedingungen verantwortlich sind, würden sich mal wieder der eigenen nationalökonomischen Shootingstars erinnern. Sich dabei an deren positiven Grundideen orientieren [wie ich sie hier nur in einer Art Tour d` Horizon stacccato-artig skizzieren kann]. Dann wäre schon etwas gewonnen!
Wenn dann einmal einige – auch tagespolitisch agierende – Medien die Theorien und Inhalte solcher Nationalökonomen allgemeinverständlich für ihre Leserschaft formulierten und Forderungen an die hohe Politik ableiteten, dann bekämen einige andere, wie der mich zu diesem Eintrag inspirierende Kommentator, keinen Ausschlag ;-)
Oder...
...es käme mal wieder etwas Bewegung in die [derzeit sich] lieber sich selbst totschweigende öffentliche politische Diskussion, die sich aktuell durch Seximus-, Rassismus- und andere populärere Diskussionen gern ablenken lässt :-o
Veilleicht weil im Dschungelcamp der Medienmeinungen populär zu diskutieren leichter ist als sich mit nationalökonomischen Wirtschaftstheorien auseinanderzusetzen, diese dem Leser aufzudröseln, am besten mit Beispielen von Unternehmen und Selbstständigen der eigenen Region!
Teresa HzW - 10. Feb, 16:15 - Rubrik Andern[w]Orts
"Wir unterschätzen das, was wir haben und überschätzen das, was wir sind."